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SFB 1567 für weitere vier Jahre von der DFG gefördert

Von der Normalisierung zur aktiven Gestaltung

Virtualität prägt heute kulturelle und soziale Bedingungen und damit auch lebensweltliche Erfahrungen. Der Sonderforschungsbereich 1567 »Virtuelle Lebenswelten« begleitet diese Transformationen nicht nur analytisch, sondern gestaltet sie mit – jenseits eines rein technischen Verständnisses von Virtualität und abseits eindimensionaler Digitalisierungserzählungen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert den Verbund nun für weitere vier Jahre.

»Virtualität ist heute kein Sonderfall mehr, sondern in und mit ihr werden neue Welten entworfen und ausgehandelt – mit Chancen der Gestaltung, aber auch mit Friktionen und Grenzen. Mit der zweiten Förderphase richten wir den Blick genau auf diese Spannungsfelder und entwickeln die Virtuelle Universität als Beteiligungs- und Möglichkeitsraum der Universität von morgen weiter.« (Stefan Rieger, Sprecher des SFB 1567 »Virtuelle Lebenswelten«)

Der Sonderforschungsbereich 1567 »Virtuelle Lebenswelten« untersucht, wie Virtualität gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen antreibt und längst Teil des Alltags geworden ist. In der ersten Förderphase konnte der Verbund zeigen, wie tief Virtualität in Kommunikation, Wissenstransfer, Körper- und Affektpraktiken, gesellschaftliche Aushandlungen, ökonomische Strukturen, Sprache, Subjektivierungen und Formen des Zusammenlebens hineinwirkt. Dabei richtet der SFB den Blick nicht nur auf digitale, sondern auch auf vordigitale Virtualität – etwa in Kunst-, Medien- und Erinnerungspraxen –, um die historische Tiefendimension virtueller Lebenswelten zu erschließen. Zugleich wurde die Ambivalenz von Inklusion und Exklusion sichtbar: Virtualisierung eröffnet neue Zugänge und Teilhabe, bringt aber auch Hürden durch Technik, Kompetenzen und plattformbasierte Sichtbarkeit mit sich.

In der nun von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten zweiten Förderphase arbeiten mehr als 60 Forschende der Universitätsallianz Ruhr in 20 Teilprojekten zusammen. Der Verbund richtet den Blick jetzt auf konkrete Spannungsfelder virtueller Lebenswelten: etwa zwischen idividualisierten Wohlfühlwelten und Formen gemeinschaftlicher Erfahrung; zwischen historischen Erinnerungsorten und medialen Inszenierungen; zwischenlokal verkörperten Lern- und Lebenssituationen – beispielsweise in XR‑Settings – und global skalierten Daten- und Medienumgebungen von Rechenzentren bis hin zu öffentlich zugänglichen, kollaborativen Recherchen zu Konflikt- und Kriegsereignissen. Untersucht wird, wie Virtualität Schule, Hochschule, Arbeitswelt und politische Aushandlung neu ordnet, wo künstlerische Weltenentwürfe auf Fragen von Zugang, Verantwortung, Transparenz und Teilhabe – nicht zuletzt unter dem Einfluss von KI – treffen und wie zivilgesellschaftliche Reparaturpraxen mit globalen Lieferketten kollidieren.

Herzstück der Zusammenarbeit bleibt die Virtuelle Universität, die Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation verzahnt, die eigenen Virtualitätspraxen reflektiert und eine erweiterte Virtual Literacy entwickelt. Zugleich öffnet sie sich im Sinne der Third Mission in die Region: Über das Teilprojekt WIKO (Wissenschaftskommunikation) als Teil der Virtuellen Universität verantwortet der SFB ein regional angelegtes Citizen Science‑Projekt, in dem gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern inklusive Anwendungsszenarien erarbeitet werden.

»Wir gestalten in diesem Verbund Wissenschaft aktiv, wir öffnen sie und lassen uns nicht von technischen Entwicklungen treiben. Indem wir die lebensweltliche Relevanz unserer Forschung sichtbar machen, zeigen wir: Die Erforschung von Virtualität ist kein akademischer Selbstzweck – sie hat Lebenswelten verändert und wird dies weiter tun.« (Sprecher Stefan Rieger)

Sprecher des an der RUB angesiedelten Sonderforschungsbereichs ist Prof. Dr. Stefan Rieger, Professur für Mediengeschichte und Kommunikationstheorie am Institut für Medienwissenschaft; Prof. Dr. Annette Urban, Professur für Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart mit Schwerpunkt Neue Medien am Kunstgeschichtlichen Institut, RUB ist stellvertretende Sprecherin.

 

Pressekontakt

Sylvia Kokot

SFB 1567»Virtuelle Lebenswelten«
Koordination Öffentlichkeitsarbeit

Tel. +49 2343220601
sylvia.kokot@ruhr-uni-bochum.de

Link zur DFG-Pressemeldung: https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-15

Link zur RUB-Pressemeldung: https://news.rub.de/wissenschaft/2026-05-15-bewilligungen-vier-bochumer-sonderforschungsbereiche-werden-verlaengert